
Sie bieten ausreichend Leistung, eine aerodynamisch optimierte Karosserie, im Innenraum kaum mehr Platz als für zwei Erwachsene plus Gepäck, und sie kosten zwischen 30.000 bis 40.000 Mark: Die jüngsten Sportcoupés aus den Produktionshallen von Porsche, Mitsubishi und Ford. AUTO ZEITUNG verglich die zwei brandneuen Modelle Mitsubishi Starion 2000 EX und Ford Capri Turbo mit dem einige Monate älteren Porsche 944, in dieser Fahrzeugklasse sozusagen der Maßstab aller Dinge.
Schon beim ersten, noch theoretischen Kennenlernen der Kandidaten überraschte, wie differenziert die Hersteller ihre Vorstellung von einem attraktiven Sportwagen in der gehobenen Kategorie technisch verwirklicht haben. Porsche versorgt die Kundschaft mit einem elastischen, verbrauchsgünstigen Vierzylinder, der aus 2,5 l Hubraum ohne Abgasaufladung 163 PS (120 kW) schöpft. Dazu propagieren die Stuttgarter:innen die Vorteile der Transaxle-Bauweise (Motor vorn, Getriebe und Differential hinten), die für eine ziemlich ausgeglichene Achslastverteilung und ein entsprechend gutmütiges Fahrverhalten bürgt.
Mitsubishi gibt seinem Starion ebenfalls einen Vierzylindermotor mit auf den Weg, der aber bei nur zwei Liter Hubraum mittels Turbolader auf 170 PS (125 kW) hochgejubelt wird. Konventionell die Lage des Motors (vorn) und des Antriebs (hinten). Halten es die Ford-Techniker:innen bezüglich der Lage von Motor und Antrieb noch wie die Japaner:innen, so machen sie zumindest in puncto Triebwerk eine nicht unerfreuliche Ausnahme. Der bekannte V6-Motor mit 2,8 l Hubraum schüttelt wie beiläufig – dank eines mächtigen Turboladers – 188 PS (138 kW) aus dem dumpf brummelnden Auspuff.
So unterschiedlich die Wege sind, dem Interessenten ein attraktives Leistungsangebot zu offerieren, so einig war man sich – wohl mehr zufällig – im Punkt Höchstgeschwindigkeit: Alle drei Sportler laufen laut AUTO ZEITUNG-Messung zwischen 210 und 218 km/h Spitze. Doch enden mit diesem einen Beispiel auch gleich die Gemeinsamkeiten.
Denn schon bei den ermittelten Verbrauchswerten ergaben sich im Mittel Unterschiede von knapp drei Liter Superbenzin auf 100 Kilometern: Porsche 11,5 l, Mitsubishi 14,3 l, Ford 13,8 l. Und auch die Art, wie die drei Testobjekte ihre Leistung mobilisierten, brachte weitere Unterschiede zutage. Im Porsche 944 verrichtet der Vierzylinder seine Arbeit nach Art eines Sechszylinders, er strengt sich scheinbar nie an und sorgt über den gesamten nutzbaren Drehzahlbereich für zügigen Vortrieb und eine kaum wahrnehmbare Geräuschkulisse.
Die Überraschung: Der Starion ist sowohl in der Beschleunigung als auch bis in den Bereich der Maximalgeschwindigkeit immer einige Zehntelsekunden schneller als der Porsche. Auch hier eine zügige, ruhige Leistungsabgabe, was in den Porsche- und Starion-Motoren jeweils auch die beiden Ausgleichswellen bewirken, die Vibrationen vermeiden helfen. Dieses System beruht auf einem Patent von Mitsubishi. Bei der Beschleunigung des Japan-Coupés macht sich die Motoraufladung erst jenseits von 3000/min deutlich bemerkbar.
Der spürbare Turboschub wird – zumindest auf feuchter und weniger griffiger Fahrbahn – unerfahrenen Lenkenden unter Umständen Probleme bereiten. So kommen die Zusatz-PS häufig erst dann zum Einsatz, wenn sie nicht mehr erwünscht sind. Der folgende Drift über die Vorderräder bedarf zwecks Korrektur einer ruhigen Hand. Tipp: Soll der Starion sportlich bewegt werden, ist es ratsam, die Drehzahl nicht unter 4000/min fallen zu lassen. Das garantiert permanenten Leistungsdruck.
Solche Feinheiten sind im Fall des Ford Capri Turbo kein Thema. Reichlich Hubraum plus Aufladung verleihen dem bewährten Triebwerk eine Dampfhammer-Charakteristik. Der Ladereinsatz ist praktisch nicht spürbar. Weitere Capri-Kennzeichen: der sonore Sound und eine Sitzposition, aus der man nur mit Mühe den „Potenzknubbel“ auf der Haube ausmachen kann. Die kleinen Fensterflächen vermitteln zudem das Gefühl, eine überstarke Stock-Car-Limousine zu bewegen. Es ist auch gar nicht so falsch, von „Deutschlands sportivstem Lastwagen“ zu sprechen.
„Der schnellste Serien-Capri, den es je gab, verlangt also nach Fahrerhänden, die gut zupacken können. “ Lothar Boschen, AZ 13/1982
Ähnlich wie die Motor-Charakteristik lässt sich auch das Handling des Turbo-Capri beurteilen: Bei langen Autobahnbodenwellen wird er schaukelig, auf kurzen Unebenheiten poltern die Räder. Und sollte die Fahrbahndecke einmal topfeben sein, laufen die 235/60er-Reifen jeder Rille nach. Der schnellste Serien-Capri, den es je gab, verlangt also nach Fahrerhänden, die gut zupacken können. Die Kombination von innenbelüfteten Scheibenbremsen vorn und nur Trommelbremsen hinten reicht zwar, um die rund 1300 kg Fahrgewicht zum Stehen zu bringen, doch die Betätigung des entsprechenden Pedals löst wenig Freude aus: Nach einem unangemessen langen Pedalweg hat der Stopper das Gefühl, in einen halbgaren Teig zu treten.
Mitsubishi trumpft dagegen mit geballter, moderner Technik auf. Vier innenbelüftete Scheibenbremsen in Verbindung mit einem selbstentwickelten Anti-Schleuder-Brems-System an der Hinterhand (ASBS) vermitteln unter allen Verkehrsbedingungen ein Gefühl der Sicherheit. Beim japanischen ASBS überwacht ein Mini-Computer den idealen Verzögerungswert und verhindert durch Verringerung der Bremskraft an den Hinterrädern ein Blockieren.
In Verbindung mit den 205/55 VR 16-Reifen – wie im Test gefahren – erweist sich der Porsche 944 als kurvenneutral, angenehm im Handling und untadelig in den Bremseigenschaften – wenn auch mit dem kleinen Manko, daß beim harten Bremsvorgang und einem leicht entlasteten Hinterrad dieses überbremst, es also leicht blockieren kann.
Die letzten großen Unterschiede zwischen den drei Mobilen ergaben sich aus dem Endpreis und der dafür gebotenen Serienausstattung: Der Mitsubishi Starion weckt angesichts einer nahezu kompletten Ausstattung kaum noch Extra-Wünsche. Der Capri Turbo, in der Basisversion nur 900 Mark billiger als der Porsche, kommt inklusive einiger Extras auf über 40.000 Mark. Der Porsche 944, der sich in der Summe aller Eigenschaften als bestes der drei Autos entpuppte, erreicht bei einer nur wenig verbesserten Ausstattung schnell die 45.000-Mark-Grenze.
So fällt ein Urteil über die drei so verschiedenen „Muskeltiere“ doch recht leicht. Porsches 944 dürfte nach wie vor der Sportwagen sein, für den es sich lohnt, zu sparen. Der Mitsubishi Starion wirkt als hochveredeltes Limousinen-Coupé gut gelungen, ungeachtet mancher Ungereimtheiten (siehe Plus- und Minuspunkte). Wie ein Dinosaurier aus einer vergangenen Epoche erscheint in diesem Test-Trio der Ford Capri Turbo. Das Ende seines recht kurzen Lebens ist allerdings heute schon absehbar. Dennoch dürfte der Abschied diesem oder jenem sicherlich schwerfallen. Von Lothar Boschen
AUTO ZEITUNG 13/1982 | Porsche 944 | Mitsubishi Starion 2000 EX | Ford Capri Turbo |
|---|---|---|---|
Zylinder / Ventile pro Zylin. | 4 / 2 | 4 / 2 | 6 / 2 |
Hubraum | 2479 cm³ | 1997 cm³ | 2792 cm³ |
Leistung | 120 kW/163 PS bei 5800 U/min | 125 kW/170 PS bei 5500 U/min | 138 kW/188 PS bei 5500 U/min |
Max. Gesamtdrehmoment bei | 205 Nm bei 3000 U/min | 245 Nm bei 3500 U/min | 268 Nm bei 4500 U/min |
Getriebe / Antrieb | 5-Gang-Getriebe / Hinterrad | 5-Gang-Getriebe / Hinterrad | 4-Gang-Getriebe / Hinterrad |
L / B / H | 4200 / 1735 / 1275 mm | 4425 / 1705 / 1315 mm | 4439 / 1780 / 1323 mm |
Leergewicht | 1180 kg | 1220 kg | 1225 kg |
Bauzeit | 1981 – 1991 | 1982 – 1990 | 1981 – 1982 |
Stückzahl | 163.303 (944 ges.) | k.A. | ca. 200 |
Beschleunigung null auf 100 km/h | 7,9 s (AZ 13/1982) | 7,7 s (AZ 13/1982) | 8,7 s (AZ 13/1982) |
Höchstgeschwindigkeit | 218 km/h (AZ 13/1982) | 218 km/h (AZ 13/1982) | 210 km/h (AZ 13/1982) |
Verbrauch auf 100 km | 11,5 l S (AZ 13/1982) | 14,3 l S (AZ 13/1982) | 13,8 l S (AZ 13/1982) |
Grundpreis (Jahr) | 38.900 Mark (1982) | 31.500 Mark (1982) | 38.000 Mark (1982) |





