E-DeLorean als Auto der Zukunft – oder als Technik-Verbrechen?

18 Febrero 2022 - AutoBild

DeLorean DMC

Der DMC-12 ist berühmt als Hollywood-Zeitmaschine. Zwei dieser drei Autos bekamen einen Elektroantrieb, sind aus der Zukunft in die Gegenwart zurückgekehrt. Wie fällt der Vergleich aus zum DeLorean mit Verbrenner?

In der Zukunft fahren wir alle elektrisch. Ob das wirklich so kommen wird, kann heute niemand sicher sagen. Nicht klassenübergreifend für neue Fahrzeuge, und erst recht nicht für klassische. Unabhängig von möglichen Zukunftsszenarien hat der Elektroantrieb jedoch auch innerhalb der Oldtimerszene längst ein paar Befürworter gefunden, die so weit gehen, den originalen Verbrenner-Antriebsstrang auszubauen und der sanierten Karosserie ein neues Elektroherz einzupflanzen.
Die besten Elektroautos

Liebe Leser, es geht in diesem Artikel nicht darum, Ihnen beim Betrieb Ihres alten Benziners oder Diesels ein schlechtes Gewissen einzureden und Ihnen die Elektroumrüstung nahezulegen. Ebensowenig darum, E-Umbauten von Oldtimern zu verurteilen und originale Verbrenner heilig zu sprechen. Sie werden hier auch nichts lesen zu Energiebilanzen und zu Fragen von Möglichkeiten technischer Umrüstungen. Hier geht es darum, Fahrzeuge in ihren Eigenschaften zu beschreiben, um sich eine Meinung bilden zu können.

Die Leidenschaft verbindet alle drei

Treffpunkt von drei DeLorean DMC-12 in Parchim: Beide Fraktionen stellen ihre (Zeit-)Maschinen und deren Konzepte vor. Eines verbindet alle: die glühende Leidenschaft für altes Blech. Genauer: für Edelstahl, denn daraus bestehen die äußeren Karosserieteile eines DeLorean. Und der von 1980 bis 1982 in Nordirland gebaute Sportwagen schreit mit seiner futuristischen Giugiaro-Form geradezu nach einem E-Umbau: wegen seiner Historie als elektrisch angetriebene Film-Zeitmaschine und weil der originale V6 mit 132 PS seinerzeit Autotester wie Neuwagenkäufer enttäuschte.
Nicht schade also um den schwächelnden Originalantrieb, dachte sich Autoliebhaber und Sportwagensammler Armin Pohl. Der Gründer der Firma Wunderkindinvest hatte folgende Idee: die Reinheit des kultigen DMC-Designs komplett zu erhalten, technisch aber völlig neue Wege zu gehen – nicht nur beim Antrieb. Das eLorean getaufte Projekt entwickelte sich zum Gemeinschaftswerk mehrerer spezialisierter Firmen.

Die Umrüstprofis von E-Works Mobility konzipierten den Antriebsstrang mit Aggregaten aus dem Tesla Model S, die Firma Incari entwickelte ein dreidimensional darstellendes digitales Kombiinstrument. Von Ameria kam ein eigens entwickelter Touchscreen für die Mittelkonsole mitsamt Gestensteuerung. Der Bau des Gesamtfahrzeugs oblag den Oldtimerspezialisten Uwe Hanov und Florian Franzke von der Firma Oldtimer-Service. Das Ergebnis ist mehr als beeindruckend.

Der Elektroantrieb ist gut verborgen

Abgesehen vom eLorean-Schriftzug am Heck und den fehlenden Endrohren deutet optisch nichts auf den Elektroantrieb hin. Bei Erprobungsfahrten in Parchim konnte der eLorean voll überzeugen. Erwartungsgemäß deklassiert er das Original bei den Fahrleistungen um Längen. In 5,4 Sekunden hakt er den Sprint von null auf 100 ab, ist somit doppelt so fix wie das Original. Das turbinenhaft klingende Beschleunigungsgeräusch wirkt nicht befremdlich, sondern passt perfekt zu einem Auto, mit dem man in die Zukunft reisen kann.

Beim Laden wartet man auch nicht allzu lange: Ist er an Gleichstrom angesteckt, sind bis zu 80 kW Ladeleistung möglich. Nach zwei Espressi (30 Minuten) ist der entleerte Akku wieder voll da. Auch bei den Fahreigenschaften profitiert der eLorean vom Umbau: Durch den 55 Kilogramm schweren Akku vorn ist die Gewichtsverteilung ausgewogener als beim Original, er wirkt im Slalom daher eine Spur agiler und neutraler.

Einen anderen Weg wählte Dr. Jörg Kutscher: Der Mediziner und talentierte Tüftler restaurierte einen maroden DMC, baute ihn auf Elektroantrieb um – und bekam am Ende auch eine reguläre Straßenzulassung! Der Antrieb: ein Doppel-E-Motor der Firma Schwarz und Steuerungstechnik des Umrüstspezialisten E-Car-Tech. Geladen wird er an der Haushaltssteckdose mit maximal 3,7 kW, nach rund zehn Stunden ist der entleerte 35-kWh- Akku komplett geladen.
Mal im 2., mal im 3. Gang anfahren

Das Besondere an Kutschers DMC: Das originale Schaltgetriebe blieb erhalten. Da der E-Motor jedoch im Gegensatz zum Verbrenner in sämtlichen Drehzahlbereichen ausreichend Leistung liefert, ist das Fahren anders als vom Benziner gewohnt: Man legt im Stand den für alltägliche Fahrzustände gut passenden dritten Gang ein und stromert einfach los. Schalten, kuppeln? Unnötig, vom Anfahren bis zum Autobahntempo ist alles möglich.

Wünscht man brachiale Beschleunigung, wählt man den zweiten Gang. Die gemessene Beschleunigung im dritten Gang des 136 PS leistenden Umbaus ist näher am Original als am 300 PS starken eLorean. Die Spurtstärke ist jedoch deutlich ausgeprägter als beim Verbrenner.

Mit dem fährt DeLorean-Profi Michael Wagner vor, der in seiner Werkstatt alle DMC-Dienstleistungen vom Ölwechsel bis zur Komplett- restaurierung anbietet. Sein Auto besticht durch bedingungslose Originalität, abgesehen von einem nachgerüsteten, allerdings zeit- genössischen Motorölkühler. Im Vergleich zu den beiden Elektrovarianten ist das Fahren eher unspektakulär.

Welches ist nun der beste DeLorean?

Für Michael Wagner zählt der Euro-V6 jedoch ebenso zum charakterprägenden Merkmal des DeLorean wie dessen Design: "Mich begeistert zwar die Beschleunigung der Elektrovarianten, aber der ursprüngliche Charakter geht verloren", sagt Wagner. "Der raue Charme des Euro-V6 gehört für mich zum Erlebnis DMC einfach dazu." Und welcher DMC ist nun der beste?

Auf die Vergabe von Punkten haben wir diesmal verzichtet; dazu sind sich die drei Exemplare einerseits zu ähnlich (Karosserie, Fahrwerk), andererseits in puncto Antrieb jedoch viel zu unterschiedlich. Das Ganze würde also wenig Sinn ergeben. Dennoch geben wir Ihnen eine Antwort auf die Frage nach dem besten Auto: Das ist der mit höchstem Aufwand gebaute eLorean von Wunderkindinvest.
Die Gesamtkomposition aus verstärktem Fahrwerk, optimiertem Chassis mit Seitenaufprallschutz, dem spurtstarken Tesla-Antrieb und dem digitalisierten Innenraum fährt sowohl dem Original als auch dem privaten Umbau auf und davon. Aber noch hat der eLorean keine Straßenzulassung, und kaufen kann man ihn derzeit ebenfalls nicht. Es ist ein uneingeschränkt fahrfähiges und voll funktionierendes Einzelstück. Bei genügend Interessenten denkt Wunderkindinvest jedoch über eine Kleinserienfertigung nach.


E-Antrieb kann eine Chance bedeuten

Am Ende spricht vor allem eines für den Elektroantrieb im Oldtimer: die Akzeptanz alter Fahrzeuge bei nachfolgenden Generationen. Welchen Eindruck mag ein katloser Oldie beim Kaltstart in einer gar nicht so fernen Zukunft auf einen Teenager machen, der mit Hybriden und E-Autos erwachsen wird? Außerdem muss man kein Pessimist sein, um zumindest darüber nachzudenken, ob man mit einem ungefilterten Verbrenner trotz H-Zulassung künftig noch mit Ausnahmeregelung ins Stadtzentrum fahren darf – jedenfalls in anderen Teilen der Welt.

Wem eine gesicherte, uneingeschränkte Nutzung wichtiger ist als Originalität, für den kann bei einer ohnehin anstehenden Vollsanierung eines Klassikers die Umrüstung auf Elektroantrieb eine sinnvolle Option sein. So sehr sich bei Traditionalisten und Petrolheads beim Gedanken an E-Oldies der Magen umdreht, so sehr mögen junge Leute vielleicht künftig daran Gefallen finden. Aus ihrer Sicht kann der E-Antrieb eine Chance für die Zukunftsfähigkeit klassischer Autos sein, deren Einsatz nicht am Ortseingangsschild enden soll. Er bedeutet nicht den kompletten Untergang einer Technik-Ära, die möglicherweise schneller endet, als der eLorean beschleunigt.

Fazit

von Lars Busemann
Hören wir auf, den Elektroantrieb als Feind der Altauto-Kultur zu verteufeln! Gerade im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit und die gesellschaftliche Akzeptanz klassischer Fahrzeuge ist die E-Umrüstung eine Chance, alte Autos dauerhaft und auch in Städten betriebsfähig zu erhalten. Sie sollen ja fahren – und nicht im Museum parken.

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