Die miesen Tricks der Oldtimer-Fälscher

il y a 6 heures - 23 Février 2026, AutoBild
Mercedes 300 SL Roadster Faelschung
Mercedes 300 SL Roadster Faelschung
Ob Mercedes 300 SL, ob VW Käfer: Viele Oldtimer haben gefälschte Fahrgestellnummern. AUTO BILD erklärt, wie die Gauner Klassiker fälschen!

Mit gleich zwei Fällen gefälschter Mercedes 300 SL Roadster (W 198 II) ging es 2023 los: Sie erschütterten die Oldtimer-Szene. In beiden Fällen ging es um millionenteure Autos, von denen jeweils zwei die gleiche Fahrgestellnummer trugen. Und in beiden Fällen war offenbar die Firma Kienle Automobiltechnik im schwäbischen Heimerdingen involviert, wo es gar eine Razzia gab.

Inzwischen ist noch ein verfälschter 300 SL Roadster aufgetaucht, der ebenfalls eine falsche Fahrgestellnummer (VIN oder vehicle identification number) trägt. Das Auktionshaus RM Sotheby's wollte den Wagen in der Motorworld München für einen Millionenbetrag versteigern.

Die Firma Kienle ist längst liquidiert. Mercedes-Benz Heritage, die Oldtimersparte von Daimler, hat mittlerweile Teile der Firma, den umfangreichen Ersatzteilbestand sowie einen Teil der Belegschaft übernommen. Klaus Kienle selbst, Gründer und langjähriger Chef der Firma, ist überraschend verstorben. Gegen seine Firma und seine Söhne ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart weiter.

Und noch ist die Frage nicht geklärt, wie es überhaupt zu doppelten Fahrgestellnummern kommen kann. Offen bleiben die Methoden der Oldtimerfälscher, hier ein genauer Blick darauf. 

Wie Oldtimer-Fälscher Millionen verdienen können

Für originale Fahrzeuge mit belegbarer Historie werden hohe Summen gezahlt, das war im Fall der zwei 300 SL nicht anders. Das erklärt, warum sich Fälschungen bei so exklusiven Klassikern lohnen. 

Immer wieder kommen Fälle ans Licht. Ein Prozess wegen Porsche-Fake in ganz großem Stil wurde 2019 gegen Uwe N. eröffnet, damals Chef der inzwischen liquidierten Firma Scuderia M66 in Aachen. Er war bei einer Razzia festgenommen und in Untersuchungshaft genommen worden.

Wie funktionierte der Porsche-Fake der Scuderia M66?

Es geht bei der Scuderia M66 wohl um eine Größenordnung von etwa 100 Millionen Euro. Der Vorwurf: banden- und gewerbsmäßiger Betrug. Eine ganze Personengruppe soll schrottreife Sport- und Rennwagen von Porsche in angebliche Sammlerstücke verwandelt haben.

Dazu, so die Aachener Staatsanwaltschaft, bauten sie die Autos auf und versahen sie zum Beispiel mit falschen Fahrgestellnummern. Der einstige Porsche-Mann Uwe N. half den Vorwürfen zufolge, gefälschte Fahrzeugpapiere anzufertigen, mit Schreibmaschinen der jeweiligen Epochen. 

Aufgeflogen war der Fall nach einem Hinweis aufs Straßenverkehrsamt Düren bei Aachen: Dort soll immer derselbe Mitarbeiter die Autos zugelassen haben. Ohne einen solchen bezahlten Gewährsmann kann die Masche also nicht funktionieren. Das Urteil steht noch aus.

Werden nur teure Oldtimer gefälscht?

Klar: Typische Kandidaten sind Rennwagen vom Bentley Blower bis zum Porsche 917 und "Ikonen" wie Mercedes-Flügeltürer und 911 Carrera RS 2.7. Aber nicht nur Millionäre sind in Gefahr, betrogen zu werden. Auch Käfer, Enten, Mini, kleine Fiat werden kriminell verändert – potenziell alle Modelle, bei denen es sich rechnet. Denn der Aufwand ist oft niedriger, als viele Laien ahnen.

Bei geklauten Autos reicht es oft, eine neue Fahrgestellnummer einzuschlagen. Oder der Besitzer eines Mercedes /8 hat keine Lust, Gurte nachzurüsten, und fälscht deshalb das Baujahr. Das macht das Auto zwar nicht teurer, aber der ahnungslose nächste Besitzer hat ein Problem, wenn die Fälschung auffliegt. 

Wie fliegt eine Oldtimer-Fälschung auf?

Meistens durch Zufall, wie beim Fall des roten bzw. phantasiegelben 300 SL Roadster. Oder weil jemand misstrauisch ist und einen guten Sachverständigen hinzuzieht. Oft fühlen sich die Fälscher sicher, wenn das Original ihres Fakes als zerstört oder verschwunden gilt.

Manche Klassiker, die in der Nachkriegszeit östlich des Eisernen Vorhangs standen, wurden im Westen neu gebaut. Pech für die Besitzer, wenn die Originale nach der Wende wieder auftauchten.

Ist jeder Klassiker-Nachbau gleich eine Fälschung?

Nein. Hersteller dürfen eigene Modelle neu auflegen. Bentley zum Beispiel tut das gerade wieder – und hält die Bauanleitung für seine Mechaniker ängstlich unter Verschluss. Ob Externe ein Auto originalgetreu nachbauen dürfen, auch wenn sie das offenlegen, kommt auf die jeweilige Rechtslage an: Eine Firma, die Flügeltürer-Nachbauten mit Kunststoffkarosserien herstellte, wurde von Daimler vor Gericht gezerrt (laut Landgericht Stuttgart hat Daimler den Geschmacksmusterschutz an der Karosserieform) und unterlag (Az. 17 O 304/10).

Nach dem Urteil zerstörte Daimler 2012 öffentlichkeitswirksam eine beschlagnahmte GFK-Karosserie. Anders jetzt bei Jaguar: Der Hersteller hat ein Ehepaar aus Schweden verklagt, das eine Replika des C-Type nichtkommerziell für sich privat gebaut hatte – und soeben verloren (am Berufungsgericht Svea in Stockholm). 

Ob es legal ist, mit einem Nachbau zum Beispiel an einer Rallye oder einem Schönheitswettbewerb teilzunehmen, hängt unter anderem von den Teilnahmebedingungen ab. Manch ein reicher Sammler und auch mancher Autohersteller hat ein Original und nutzt einen Nachbau für historischen Motorsport. Das Mercedes-Benz Museum soll in den Neunzigerjahren bei Thyssen eine zweistellige Anzahl an Rahmen des Modells SSK in der originalgetreuen Legierung bestellt haben, um die "originalen SSKs nicht bei der Mille Miglia zu Schrott fahren zu lassen". Die Frage ist, ob jeder der Thyssen-Rahmen legal verwendet und jeder ausgebaute Originalrahmen vernichtet wurde.

Wie schützt man sich vor Betrug durch Oldtimer-Fälscher?

Ob ein und dieselbe Fahrgestellnummer mehrmals vergeben ist, kriegen Besitzer im Idealfall mithilfe des Herstellers, einer Gutachterorganisation, der Zulassungsstelle oder des Clubs heraus. Bei einer Recherche in den USA helfen gegen Geld Firmen wie Carfax, AutoCheck, Classic Car Database und Hagerty. Und das Blech? Oldtimer-Gutachter und Typreferenten von Clubs können plump umgefrickelte Autos entlarven – einer professionellen Fälschung kommt man wohl nur mit professionellen Forensikern auf die Schliche.

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