Ford Escort RS Cosworth: Warum er kein echter Escort ist

il y a 17 heures - 27 Avril 2026, autozeitung
Ford Escort RS Cosworth
Ford Escort RS Cosworth
Als „Working Man's Supercar“ machte sich der Ford Escort RS Cosworth breitgebaut und doppelt beflügelt im Motorsport und auf der Straße unsterblich. Doch wussten Sie, dass dieser Cossie ein Hochstapler und in Wirklichkeit gar kein Escort war?

Ford Escort RS Cosworth: Der Escort, der keiner war

Auf den ersten Blick wirkt dieser Escort wie ein Bodybuilder auf Steroiden, doch unter seiner bulligen Schale verbirgt sich eine tiefe Identitätskrise. Der Ford Escort RS Cosworth wurde nicht als sportliches Derivat eines Serienautos konzipiert, sondern als kompromissloses Motorsport-Werkzeug, das – wie für Homologationsmodelle üblich – lediglich für den Straßengebrauch „getarnt“ wurde. Ford verschob damals die Grenzen des ingenieurstechnisch Machbaren, um ein Auto zu schaffen, das im Kern eigentlich gar kein Escort ist. Warum? Weil er eigentlich ein Sierra war.

Die technische Täuschung liegt direkt unter dem Blech: Der Escort RS Cosworth ist strukturell ein verkürzter Ford Sierra Sapphire RS Cosworth 4x4. Während der Sierra auf den asphaltierten Rundkursen dominierte, erwies sich der allradgetriebene Sierra Sapphire RS Cosworth 4x4 auf den Rallye-Pisten als zu groß und unhandlich. Kompakte wie der Lancia Delta HF Integrale zeigten Ford, wo der Frosch die Locken hat. Ein kompakteres Modell musste her. Dafür schien der Escort Mk5 ideal.

Der Sierra RS Cosworth 4x4 als Technikspender

Der Escort war allerdings für den Quereinbau des Motors und Frontantrieb ausgelegt – ein Layout, das für die harten Anforderungen der Gruppe A gänzlich ungeeignet war. Um den mächtigen Cosworth-YBT-Längsmotor (227 PS/167 kW) und das komplexe Allradsystem unterzubringen, griff das Ingenieursteam der Ford SVO-Abteilung (Special Vehicle Operations) unter Rod Mansfield und John Wheeler zu einer radikalen Hybridisierung. Sie höhlten die Karosse des Escort wie ein hartgekochtes Frühstücks-Ei aus und verpflanzten die gesamte Mechanik des Sierra in die modifizierte Escort-Hülle.

Die Wahrheit offenbart sich erst beim Betrachten des Radstandes und der Breite des Cossies. Obwohl der Escort RS Cosworth optisch kompakter wirkt, ist sein Radstand tatsächlich länger als der des Standard-Escorts. Dies war eine technische Notwendigkeit, um die Vorderachse weiter nach vorne zu rücken und Platz für den Längseinbau des Motors sowie die Antriebswellen zu schaffen. Die breitere Sierra-Bodengruppe verlangte nach ausgestellten Kotflügeln vorne und hinten. So ausgebaut, konnte das bewährte Allradsystem um das Ferguson-MT-75-Getriebe, das die Kraft in einem agilen 34/66-Verhältnis zwischen Vorder- und Hinterachse verteilte, in die Escort-Karosse finden. Damit ausgestattet fuhr der Escort RS Cosworth in der Gruppe A acht WRC-Siege ein, der Weltmeister-Titel sollte ihm jedoch verwehrt bleiben.

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