Ist der Mini-Hype gerechtfertigt?

25 июля 2019 - AutoBild

Ist der Mini-Hype gerechtfertigt?

Zum 60. Geburtstag ist der britische Kult-Kleinwagen wieder in aller Munde. Die einen lieben ihn, andere halten ihn für überschätzt. Zwei Kollegen debattieren.

"Der Mini ist für mich ein Jahrhundertwurf"

Kein Mensch mit einem auch nur ansatzweise intakten automobilen Koordinatensystem würde je behaupten, der Mini sei doof. Ich schon gar nicht. Der Mini war mein Held, mein erstes Auto. Dunkelblau mit beiger Innocenti-Ausstattung. Bar bezahlt, Mark für Mark zusammenverdient in unzähligen Feierabendjobs. Was habe ich den Kleinen geliebt. Bis mein Kumpel ihn unter einem Lkw geparkt hat – aber das ist eine andere Geschichte. Der Mini ist für mich ein Jahrhundertwurf. Intelligenter konnte man – zumindest damals – kein Auto bauen. Vier Räder, an jeder Ecke eins, Motor quer, Frontantrieb, Mini-Gewicht und drinnen Platz für vier Erwachsene. Fertig war das erste Automobil, das innen größer war als draußen. Mehr Platz auf weniger Verkehrsfläche ging nicht. Mit dieser Bauart setzte der Mini einen Standard für alle, skalierbar durch alle Klassen und schon deshalb auf Ewigkeit mit Stammplatzgarantie im Autohimmel. Ich habe mich in diesem genialen Schuhkarton nie einpfercht gefühlt. Wenn du als junger Bursche in Busfahrerhaltung hinter dem flachen Lenkrad Kreise um die anderen fuhrst, fühltest du dich wie King Cool. Wie der am Boden klebte, und dann diese digitale Lenkung. Natürlich war der Mini in seinen letzten Jahren ein altersmüdes Relikt. Vielleicht auch überbewertet. So what? Alec Issigonis hat mit dem Mini Geschichte geschrieben. Und es ist an uns, diese weiterzuschreiben.

"Über Jahrzehnte fand kein echter Reifeprozess statt"

Wenn ich mich ganz doll anstrenge, spüre ich ihn noch heute, den Druck, mit dem sich das dürre Lenkrad in meine Beine drückte. Das war 1991 – und ich erst elf Jahre alt. Wie von Sinnen rannte ich damals auf der Bremer Auto Vision – einer Provinz-IAA – von Neuwagen zu Neuwagen. Jedem konnte ich etwas abgewinnen, doch der Mini enttäuschte mich. Obwohl längst nicht ausgewachsen, fand ich keinen Platz. Das Lenkrad auf der Straße auch zu drehen? Unvorstellbar. Einige Jahre später machte ich den Praxistest im Cooper eines Freundes und hatte in der Sardinenbüchse erstmals überhaupt Angst vor einem Unfall. Dazu dürften die Schläge der Federung – wie sie die Gummiblöcke großspurig nennen –, die an meinen Rücken durchgereicht wurden, meinen Bandscheibenvorfall bedeutend beschleunigt haben. Mister-Bean-Romantik stand bei dieser Fahrt genauso auf der Kippe wie der Sitz meiner Plomben an meinen Zähnen. Als bei dem Letztserienmodell wenig später die Reparatur einiger kleiner Rostflecken in eine teure Vollrestaurierung ausartete, war ich endgültig enttäuscht. Wie auch Lada beim Niva oder Land Rover beim Defender hielten es die Verantwortlichen bei Mini über Jahrzehnte hinweg nicht für nötig, an der Qualität zu feilen. Reifeprozess? Wozu, die kultverrückten Vögel nehmen ihn doch auch so. Ich mag den Mini. Aber nur für die Vitrine. Für die Straße fehlt es mir an Reife. Soweit die Meinung der beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen. Was meinen Sie? Stimmen Sie oben ab!

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