Darf man mit Klassiker in die Waschanlage?

4 Juli 2021 - AutoBild

Darf man mit Klassiker in die Waschanlage?

Darf man mit dem Oldtimer in die Waschanlage fahren, oder sollte man doch von Hand waschen? Zwei Redakteure diskutieren über die Vor- und Nachteile, den Schutz des Oldies und Umweltaspekte!

Mit dem Oldtimer in die Waschanlage zu fahren, das ist für viele Klassiker-Fans eine grauenhafte Vorstellung. Zu groß ist die Angst vor Schäden oder nachlässiger Pflege. Doch Zeitersparnis und Umweltaspekte sprechen für die automatische Wäsche. Hier diskutieren zwei Redakteure:

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Als ich noch jung war, gönnte ich den Autos in meiner Familie regelmäßige Schaumbäder von Hand. Auf dem Hof meiner Eltern. Diese Zuwendung erfuhren meist die großelterlichen Mercedes/8. Auch als sich Oma zu ihrem 70. Geburtstag ein fabrikneues VW Polo Coupé GT kaufte, kam es unter meine pflegenden Hände. Die Großeltern, ihre Autos und die amtliche Erlaubnis, mit Tensiden & Co in freier Wildbahn zu agieren, sind seit langem Geschichte. Was blieb, sind die Klassiker. Ich habe nie etwas anderes gefahren. Und dies sogar durch Waschanlagen! Ob Peugeot 60, BMW 2500 oder Volvo 765 – sie alle kamen und kommen unter die Automatik-Dusche. Warum? Weil ich pragmatisch bin, dreckverkrustete Karossen aber hasse. Und bist du nicht mehr Enkel, sondern vierfacher Vater, rutscht der Alltagsklassiker schnell in die Waschmaschine am Wegesrand. Und: Viele Klassiker-Besitzer, die wie ich in der Stadt leben, haben keinen privaten Autopflege-Bereich. Womit wir erneut beim Umweltaspekt wären. Waschboxen mit Abscheider sind eine Alternative. Sie aber bedeuten Akkord-Schrubben nach oft langem Anstehen. Und wieder sind die Münzen alle, und es drängelt jemand hinter dir. Zugegeben, es nervt, dass nach der vorgeblich bequemen Waschanlage immer noch irgendwo ein Rest Dreck klebt. Aber da kann man ja von Hand nacharbeiten! Das Beste aus zwei Welten also? Bedingt, man kennt die Geschichten von Waschstraßen-Schäden. Kann passieren. Aber für eine Handwäsche gilt das auch: Oma ist die Schmarre in der /8-Flanke, verursacht durch meine abgerutschte Bürste, nie aufgefallen. Ansonsten hätte sie mir auch eine Abreibung verpasst, die sich gewaschen hätte.

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Es ist gute 15 Jahre her, dass ich meinen Mercedes 300 CE aus der Waschanlage fuhr und feststellen musste, dass zur Premium-Wäsche auch eine Gravur auf meinem Autodach gehörte. Natürlich wollte es niemand gewesen sein, und ich blieb auf dem Schaden sitzen. Seitdem nutze ich Selbstwaschanlagen. Von Ersparnis kann hier zwar keine Rede sein – die SB-Waschbox schluckt die Münzen im Akkord. Dafür aber von Erfolg: Die Radkappen des /8, den ich inzwischen fahre, sind sauber, der Bereich um den Stern auch, genauso wie die Innenkotflügel bis hoch zu den Lampentöpfen. Und die Scheiben sind komplett mückenfrei. Das Ganze dauert etwas länger als in der Waschanlage, das gehört aber dazu und erinnert mich an früher, als ich sonnabends den Strichachter meines Vaters waschen durfte ... na gut, musste. Jeder Winkel der Karosserie samt entsprechendem Reinigungsvorgang ist mir noch vertraut. Ein weiterer Vorteil: So eine Wäsche ist immer wie eine kleine Inspektion, weil man eben doch genauer hinsieht. Aber auch ich habe schon gesündigt, erst vor ein paar Monaten. Der Tag, an dem mein Benz ins Winterlager sollte, würde nämlich am späten Nachmittag die herbstliche Regenzeit einläuten. Es blieb nicht viel Zeit, und dieses eine Mal wird der Wagen das schon abkönnen. Also rein in die Waschanlage und während des Waschvorgangs nervös wie ein Schäferhund um das Gebäude gekreist. Als das Gebläse verstummt war, kam das, was kommen musste: An der Dachrinne hatten sich mehrere Lappenfetzen festgesetzt, das Chromteil (alles original!) war verbogen und mir der Abend versaut. Zum Glück für mich selbst reparabel – denn ich wusste ja schon, dass es sicher niemand gewesen sein wollte.